Hermann vom Sockel stoßen!

Am 22.02.2026 wollten sich Höcke und Helferich am Hermannsdenkmal treffen. Etwa 300 Menschen versammelten sich zu einer Gegenkundgebung, bei der wir folgenden Redebeitrag hielten:
Höcke und Helferich wollten sich heute hier am Hermannsdenkmal treffen. Die beiden zählen zu den Hauptprotagonisten der völkischen Faschisten innerhalb der AfD. Ihr Besuch am Hermannsdenkmal ist Teil eines Machtkampfs innerhalb der NRW AfD. Beim Landesparteitag im März will das völkische Lager seinen Einfluss ausweiten. Die Machtkämpfe drehen sich seit Jahren vor Allem um Gelder, Einfluss und taktische Überlegungen. Auch und gerade hinsichtlich drohender Verbotsverfahren.
Wir ergreifen in diesem Streit ganz sicher nicht Partei für ein irgendwie gemäßigtes Lager.
Die AfD ist als organisatorisches Rückgrat des Faschismus in Deutschland lagerübergreifend abzulehnen.
Wir stehen heute hier nicht nur gegen Höcke und Helferich, sondern die gesamte AfD.
Es ist gut und richtig sich diesen Faschisten in den Weg zu stellen und ihre Inszenierung hier am Hermannsdenkmal zu stören. Deshalb vielen Dank an die Linksjugend für die spontane Organisation dieser Kundgebung.
Wir werden jetzt keine Predigt zu euch darüber halten, warum die AfD gefährlich ist und wir sie mit aller Macht bekämpfen müssen. Wir denken, dass wisst ihr alle. Stattdessen werden wir über das Hermannsdenkmal, Nationalismus und Deutschland sprechen und warum wir all das ablehnen und für ein Teil des Problems halten.

Das Hermannsdenkmal wurde zwischen 1838 und 1875 gebaut. Der Bau begann also, als es das deutsche Reich noch nicht gab und es wurde kurz nach seiner Gründung fertig gestellt. Das Denkmal ist Ausdruck eines entstehenden deutschen Nationalismus und sollte ihn weiter unterstützen. Durch den Rückgriff auf die historische Varusschlacht soll dem deutschen Volk etwas gegeben werden, was ihm fehlt: Eine Geschichte. Denn obwohl die Cheruskerstämme und ihre Verbündeten sich wohl kaum als Gemeinschaft der Germanen, geschweige denn Deutsche, begriffen hätten, dient die Varusschlacht als ein mythischer Bezugspunkt für einen urwüchsigen deutschen Widerstand gegen eine fremde Macht. Was sich im 19. Jahrhundert noch hauptsächlich gegen den Erbfeind Frankreich wandte, lässt sich quasi beliebig  nationalistisch aufladen. Im NS diente das Denkmal als Beweis für die rassische arische Überlegenheit und war Bühne für zahlreiche NS Aufmärsche und Besuche hochrangiger Funktionäre wie Hitler oder Göbbels.
Nach dem NS mussten viele Rechte einen Nationalismus begründen, der sich weder offen auf die Nazis bezog, noch sich mit der aufgezwungenen Demokratie in der BRD gemein machte. Auch hier bot das Bild eines kämpferischen, widerständigen Germanen die Chance mit einem völkischen Nationalismus anzuknüpfen.
Es ist nur logisch, dass auch die AfD das Hermannsdenkmal für sich nutzt. Auf social media, Flyern oder Plakaten: ständig ist das Bild des Hermanns präsent. So wundert es wenig, wenn sich zwei ihrer führenden völkischen Stichwortgeber heute hier symbolisch treffen wollen.
Wir glauben allerdings, dass es wenig bringt, wenn wir uns nur vom Nationalismus der AfD abgrenzen. 
Das Motto der heutigen Kundgebung ist „Der Hermann bleibt bunt. Der Hermann bleibt faschofrei.“ Der Hermann war aber nie bunt, der Hermann war nie faschofrei. Teilweise ist zu lesen, man müsse den Hermann gegen die Instrumentalisierung durch Rechte schützen. Der Hermann war aber schon immer ein nationalistisches Monument. Die Nutzung der Rechten ist keine Instrumentalisierung, sondern die logische Fortsetzung der nationalistischen Idee. Faschismus kommt eben nicht von außen, sondern liegt im Nationalismus dieser Gesellschaft begründet.
Nationalismus bedeutet immer die Mobilisierung des Eigenen gegen die Anderen. Nationalismus bedeutet das Zurückstellen eigener Interessen gegenüber dem der Nation, in der Hoffnung dass es einem dann wenigstens besser geht als den Bürger*innen anderer Staaten. Nationalismus bedeutet Sachzwänge zu akzeptieren, die das Leben der Menschen konkret verschlechtern. Mit Nationalismus will die CDU aktuell Zustimmung für ihre Kampagne gegen Arbeiter*innen gewinnen. Mit Nationalismus haben alle letzten Regierungen, egal ob CDU, SPD oder Grüne ihre brutale Abschiebepolitik begründet.
Wir aber wollen keinen bunteren oder faschofreien Nationalismus, wir wollen gar keinen. Auch wenn eine Welt jenseits von Nationen fern scheint, muss sie doch der Fluchtpunkt für eine emanzipatorische Politik bleiben.
Die aktuell größten Feinde dieser besseren Welt sind sicherlich bei der AfD zu suchen und sie sind entsprechend zu bekämpfen. Ein sich aufgeklärt gebender Nationalismus hilft bei diesem Kampf allerdings nicht.
Deshalb: Nationaldenkmäler einreißen, Hermann vom Sockel stoßen. Für etwas besseres als die Nation!

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